Referatsthemen als Spiegel eines halben Jahrhunderts (Teil 2)
Die 50er-Jahre
Das Gründungsjahr 1956 war das Jahr des Ungarn-Aufstandes: Sowjetische Panzer walzten im Oktober den Unabhängigkeitsdrang des freiheitsliebenden Volkes blutig nieder, ein Flüchtlingsstrom ergoss sich nach Westen, die Schweiz nahm Tausende von Ungarn auf. Im ersten Jahresbericht des Lions Club Baden blitzt das Thema auf: Die Activity der Chlausfeier ging zugunsten der Ungarnhilfe der Stadt Baden.
In den 50er-Jahren begann die Entkolonialisierung: Die Länder Asiens und Afrikas versuchten, die Herrschaft der Kolonialmächte abzuschütteln. Einer der ersten blutigen Konflikte fand in Belgisch-Kongo statt. Es kam im Kongo zur ersten Friedensmission von Uno-Blauhelmen. Ein ausgewanderter Schweizer, selber Lions-Mitglied, hielt darüber im Mai 1958 einen Vortrag. Als Folge davon unterstützte unser Club einen in die Schweiz geflüchteten kongolesischen Studenten mehrmals mit Studiengeld.
Im Übrigen wurde die Weltpolitik der 50er-Jahre dominiert vom Kalten Krieg, vom latenten Ringen zwischen dem West- und dem Ostblock, welches sich wiederholt am geteilten Berlin entzündete. 1958 kündigte Kreml-Boss Nikita Chruschtschow das Berliner Viermächtestatut und provozierte damit die Westmächte. Ein „Direktor Viktor Müller aus Berlin“ berichtete im Oktober 1959 über „Berlin heute“.
Grosse Fortschritte machte in den Fünfzigern auch die Wissenschaft, insbesondere die Atomphysik und die Weltraumtechnik. Die Welt war hin und her gerissen zwischen der Angst vor der Atombombe und den faszinierenden Perspektiven der friedlichen Nutzung der Atomenergie. Anfang 1959 hielt ein Professor Dr. Fischer einen Vortrag über Atomphysik. Den Beginn des Weltraumzeitalters markierte in unserem Club ein Referat des Basler Professors Paul Huber über „künstliche Erdsatelliten“.
Referatsthemen als Spiegel eines halben Jahrhunderts
Hans Fahrländer

