Referatsthemen als Spiegel eines halben Jahrhunderts (Teil 3)

Die 60er-Jahre

Die Mega-Themen Entkolonialisierung und Kalter Krieg setzten sich fort. Im Mai 1960 sprach der Badener Lehrer und Historiker Willi Gautschi über seine Erlebnisse „als Rotkreuzdelegierter bei den Flüchtlingen in Tunis“ (Tunesien hatte sich unter Qualen von Frankreich losgesagt). Im November 1960 referierte der Gründer des Schweizerischen Ostinstituts, Dr. Peter Sager, zum Thema „Der Kommunismus, eine weltweite Ideologie im Vormarsch“. Den nächsten weltpolitischen Reflex registrieren wir im November 1966: Botschafter Dr. Stadelhofer sprach über „Probleme der Schweiz als Schutzmacht zwischen Kuba und den USA“. Die Schweiz hatte dieses Mandat nach der Kuba-Krise übernommen, welche die Welt 1962 an den Rand eines dritten Weltkrieges geführt hatte.

Nun erscheinen auch die anderen „öffentlichen Ebenen“, Schweiz, Aargau und Region Baden, vermehrt in den Programmen des LC Baden. So liess sich der Club im Juni 1960 über den neuen Schlossbergtunnel und die Badener Verkehrssanierung informieren (der Referent wird nicht genannt), und im Oktober 1963 hielt „Stadtschreiber Dr. Rickenbach einen viel beachteten Vortrag über die Verkehrssanierung“. Resultat dieses Events: Ein Jahr später wurde Victor Rickenbach in den Club aufgenommen!

1963 wurde übrigens Gründungsmitglied Julius Binder^in den Nationalrat gewählt; die „Fahnder“ unseres Clubs hatten offenbar eine feine Nase für Leute mit sich abzeichnender Politkarriere.

Auch die „Ebene Schweiz“ war nun wiederholt präsent, zunächst 1964 mit einem gemeinsamen Besuch der Expo in Lausanne. Im September 1967 besuchte der Club die Baustelle des ersten Atomkraftwerkes der Schweiz in Beznau. Im April 1969 und im Mai 1970 übernahm unser Club die Regie bei zwei Grossanlässen: Die Serviceclubs der Region plus weitere aargauische Lions Clubs ermöglichten die Engagierung von zwei Top-Referenten: Korpskommandant Eugen Studer, Chef der Flieger- und Flabtruppen, referierte über „Die Einsatzdoktrin der Schweizer Luftwaffe“ und Bundesrat und Finanzminister Nello Celio über „Bundesfinanzordnung und Konjunkturfragen“. Leider sind diese kräftebündelnden Ereignisse nie recht zu einer Tradition geworden.

Vergeblich sucht man Ende der 60er-Jahre nach einem Reflex auf den die europäischen Gesellschaften erschütternden 68er-Umbruch, der sich zuerst in Studentenunruhen in Paris und Berlin manifestierte. Offenbar ist der Umbruch erst mit einer gewissen Verspätung in der aargauischen Provinz angekommen.

weiter ... (Teil 4)

Referatsthemen als Spiegel eines halben Jahrhunderts

Hans Fahrländer


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